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Zwangsgedanken: Angst lesbisch zu sein

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Signy Lone

unregistriert

1

Donnerstag, 6. Oktober 2011, 15:41

Angst lesbisch zu sein

Hallo zusammen,

habe weiter unten bei den Vorstellungen schon gesehen das es jemanden gab der dasselbe Problem beschrieb. Falls dieses Mädel noch aktiv ist könnte man sich vielleicht austauschen, weil wir viele biografische Gemeinsamkeiten zu haben scheinen.

Meine Probleme sind eigentlich sehr vielschichtig und Ende 2009 hat sich zu meinem Problemkanon noch eine Zwangserkrankung als spitze des Eisbergs dazu gesellt.

Es geht im Prinzip schon damit los, dass ich immer sehr zurückhaltend und schüchtern war. Ich habe nie Anschluss an meine Klassenkameraden gefunden. Und wurde während der gesamten Gymnasialzeit auch Opfer von Mobbing. Daneben komme ich auch aus einer Familie die sehr zurückhaltend miteinander kommuniziert. Das hat bei mir in der Teenagerzeit zu einem völligen Rückzug aus der Gesellschaft geführt. Ich hatte keine Freunde und habe in einer gedanklichen Fantasiewelt gelebt. Das führte bei mir zur Entwicklung chronisch tiefsitzender Depressionen und Sozialer Phobie. Während des ganzen Studiums blieb dies alles noch erhalten, erst gegen Ende des Studiums wurde mir klar ich habe ein Problem und muss was ändern. Zu Beginn meiner Doktorarbeit habe ich dann auch mit Therapien begonnen. Das erste und wichtigste war, dass ich mir mittlerweile erfolgreich Freunde und Bekannte gesucht habe (am Samstag werde ich das erste Mal sind ungefähr zwanzig Jahren meinen Geburtstag feiern, werde 31) und nach viel Frust während der Therapie kam der Punkt wo ich endlich sehen konnte was ich schon erreicht habe. Ich hatte dann eine gute Phase in der ich Pläne schmiedete was ich noch an meinem Leben ändern will. Und ein wichtiger Punkt war, dass ich endlich meine Sehnsucht nach einem Mann den ich bisher nur in meiner Fantasiewelt gelebt hatte in die Tat umsetzen wollte. Ich war also fröhlich am Pläne schmieden, doch nach ein paar Wochen kam ein böser Rücknfall. Plötzlich erinnerte ich mich an meine Ängste und das ich ja nicht einfach auf Männer zu gehen kann weil ich vor Männern ja Angst habe und sie hasse für das was sie mir angetan haben (das Mobbing ging von den männlichen Klassenkameraden aus). Der Gedanke ich hasse Männer erschien mir unglaublich, dafür brauchte mein Hirn eine Erklärung. Und die Erklärung auf die ich kam war: Wenn ich Männer hasse muss ich lesbisch sein, weil Lesben und nur Lesben generell Männer hassen. Auf die Idee das der Gedanke ich hasse Männer auf den Mobbingerlebnissen beruht kam ich nicht. Das war kurz vor Weihnachten 2009. Zum Glück war ich zu dem Zeitpunkt schon in Behandlung. Anfangs konnte ich mit niemanden darüber reden, weil ich Angst hatte wenn ich den Gedanken ausspreche wird er war und das wollte ich ja nicht. Als ich es dann meiner Psychiaterin erzählt habe meinte sie sofort: Zwangsgedanken.
Ich war dann 2010 zum zweiten Mal in einer Psychoklinik, die auch auf Zwänge spezialisiert war und auch danach noch in einer ambulanten Therapie beim Kliniksleiter. Es ist schon deutlich besser geworden, aber ganz weg ist es halt immer noch nicht. Insbesondere wenn ich vor dem Fernseher sitze habe ich ein Problem damit die ganzen freizügigen Frauen anzuschauen, ich frage mich dann immer ob ich sie attraktiv find und mich das sexuell erregt. Insbesondere achte ich auf Reaktionen im Intimbereich. Das Problem ist, dass ich durch die Tatsache das bei mir Angst seit der Teenagerzeit im Intimbereich spürbar ist und ich außerdem eine leichte Blasenschwäche habe, ich eigentlich fast immer was "spüre". Ich sage mir dann zwar es sind Zwangsgedanken, aber ich habe halt Angst das ich mir nur was vormache, weil ich nicht wahrhaben will lesbisch zu sein, was für mich das schlimmste wäre was ich mir vorstellen kann.

So viel von mir erst mal. Wäre schon wenn sich auch betroffene finden würden.

Gruß Signy lone

Jake_Sully

Fortgeschrittener

  • »Jake_Sully« ist männlich

Beiträge: 265

Zwangssymptome: Angst vor Schmutz/Parasiten

Medikament / Dosis: Fluoxetin

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

Wohnort: Pandora

Beruf: EU-Rentner

Hobbys: PC, Internet, Linux-Mint, Kinofilme

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2

Freitag, 7. Oktober 2011, 03:45

Zitat

Original von Signy Lone
... komme ich auch aus einer Familie die sehr zurückhaltend miteinander kommuniziert.
... Plötzlich erinnerte ich mich an meine Ängste und das ich ja nicht einfach auf Männer zu gehen kann weil ich vor Männern ja Angst habe und sie hasse für das was sie mir angetan haben (das Mobbing ging von den männlichen Klassenkameraden aus). Der Gedanke ich hasse Männer erschien mir unglaublich, dafür brauchte mein Hirn eine Erklärung ...

Schon seit 1995 bin ich geschieden, eine richtige Partnerin hab ich selten. Aber ich bin zufrieden, wenn ich wieder eine gute "Freizeit-Kumpeline" finde. Tanzgaststätten besuche ich evtl. auch allein. Aber weil die meißten Männer primitiv sind, meide ich generell männlichen Kumpel-Kontakt (nur Klinik-Patient-Ausnahme). Mit Bier-saufende "Fussi-Gucker" kann man sich nicht unterhalten. Ist wirklich schwer als Frau über 30, einen attraktiven Mann mit Niveau zu finden. Ich bin schon 49Jahre, in diesem Alter verblöden dann auch die Frauen, schade.

Signy Lone

unregistriert

3

Freitag, 7. Oktober 2011, 11:38

Also ich bin mir nicht sicher was mir deine Antwort sagen soll, habe aber auch (wie eigentlich immer) das Gefühl mich nicht verständlich ausgedrückt zu haben.

Bei mir gibt es zwei Felder Männer betreffend:

Das eine ist meine Fantasievorstellung wo ich mir Kontakt zu Männern wünsche und ihn wunderschön finde. Deswegen will ich eigentlich auf Männer zu gehen.

Dem entgegen steht die Erfahrung aus meiner Schulzeit, wo ich von (einigen wenigen) männlichen Klassenkameraden gemobbt wurde. Diese einigen, wenigen haben es geschafft mir eine generelle Angst vor Männern einzuimpfen.

Als ich von der Therapie und vom Kopf her endlich so weit war zu sagen. Okay du wurdest verletzt, aber das waren ja nur einzelne darüber kannst du nicht alle Männer über einen Kamm scheren und du wünscht dir ja den Kontakt, ging es mir erstmal sehr gut. Aber mein Hirn dachte wohl es müsse mich vor möglichem weiteren verletzt werden bewahren hat es mir den Gedanken geschickt, dass ich Männer hasse und deswegen lesbisch bin. Dabei stimmt das gar nicht. Ich hasse Männer nicht. Ich hasse insbesondere einen ehemaligen Klassenkameraden, der sich beim Mobbing immer besonders hervor getan hat, und ich hasse einige Eigenschaften, die manche Männer haben können. Was ich tatsächlich habe ist Angst wieder verletzt zu werden. Das war also nur ein Trick mich davon abzuhalten endlich meine Angst zu überwinden.

Es gibt ja bei jedem Zwang auf der einen Seite Gründe warum man vor den Zwangsgedanken Angst hat, auf der anderen Seite aber Gründe die ihn aufrecht erhalten.

Mir hat mal eine Therapeutin erzählt, dass sie durchaus schon Frauen erlebt hat, die gar nicht lesbisch waren, aber aus Angst vor Männern bevor sie ganz auf Kontakte verzichten mit Frauen rum gemacht haben. Und das war die Idee auf die mein Hirn mich quasi auch gebracht hat. Nach dem Motto. Du hast Angst vor Männern, riskiere das lieber nicht, du könntest verletzt werden. Wenn du lesbisch wärst würdest du Männern entgehen. Wäre doch eine Überlegung wärt.

Auf der anderen Seite ist für mich eine der schlimmsten Vorstellungen überhaupt "anders" zu sein. Weil "anders" sein heißt gemobbt zu werden. Das ist so eine Vorstellung die sich über Jahrzehnte in meinem Kopf festgesetzt hat. Und der Grund warum ich Angst habe lesbisch zu sein ist dsa ich dann von meinem Kopf her "anders" wäre, was für mich hieße unwiderruflich ausgegrenzt zu werden, und gemobbt zu werden.

Das heißt, die Angst vor Männern spricht dafür als Lesbe zu leben, die Angst vorm "anders" sein als die breite Masse spricht dagegen. Der Schlüssel zu meiner Behandlung liegt eigentlich darin, die Angst vor Männern zu überwinden. Den indem Moment wo ich sage, okay ich habe Angst vor Männern aber ich gehe jetzt trotzdem auf sie zu verliert der Zwang seine Macht. Denn wenn ich keine Angst mehr vor Männern habe, brauche ich auch keinen "Schutz" vor Männern mehr den mir das vermeintliche lesbisch sein bieten würde. Das die Theorie stimmt habe ich schon dadurch überprüft das ich eine Kontaktanzeige aufgegeben habe und mich auf ein erstes Date verabredet habe. Und siehe in dem Moment wo ich diesen Schritt gemacht habe verschwand der Zwang. Leider haben wir bei dem Date dann an unterschiedlichen Punkten gewartet, so dass es nicht dazu kam. Und danach habe ich einen Rückzieher gemacht, weil er es quasi als meine Schuld hingestellt hat das wir uns verpasst haben.

Momentan habe ich , weil ich in den letzten Zügen der Doktorarbeit stecke überhaupt keine Zeit daran zu arbeiten Männer kennen zu lernen. Daher schwebt der Zwang nach wie vor über mir :wand:

4

Freitag, 7. Oktober 2011, 20:18

Hi Signy Lone,

Zitat

Auf der anderen Seite ist für mich eine der schlimmsten Vorstellungen überhaupt "anders" zu sein. Weil "anders" sein heißt gemobbt zu werden. Das ist so eine Vorstellung die sich über Jahrzehnte in meinem Kopf festgesetzt hat. Und der Grund warum ich Angst habe lesbisch zu sein ist dsa ich dann von meinem Kopf her "anders" wäre, was für mich hieße unwiderruflich ausgegrenzt zu werden, und gemobbt zu werden.


Heutzutage stehst du als Homosexueller besser da, als andere Randgruppen, die anders sind. Um es an einem konkreten Beispiel zu verdeutlichen (was natürlich verallgemeinert formuliert ist): Man wird im sozialen Umfeld mehr Probleme haben, wenn man offen sagt, dass man psychisch krank ist oder wenn andere irgendwie merken, dass man psychisch krank ist, als wenn jemand homosexuell ist. Homosexuelle zelebrieren sich oftmals selbst als NORM, sie sind auch gut darin, dass mediengerecht als PR für sich selbst umzusetzen. Das diesjährige Motto war glaub ich: "Normal ist anders"

Es gibt zig Kampagnen gegen Diskriminierung Homosexueller zB am Arbeitsplatz etc. ... was man leider für psychisch Kranke bis heute nicht tut.

Solange du nicht erzkatholisch bist oder bei einer katholischen Institution arbeitest, wäre homosexuell sein relativ unerheblich; wobei sogar dort,solange jemand nicht öffentlich darüber spricht, es toleriert wird .... (es gab dazu neulich einen Bericht im ZDF)

Psychisch Kranke haben im Unterschied zu Homosexuellen auch keine Lobby - klar, wer psychisch krank ist oder wird, hat dafür auch gar keine Kraft mehr, noch viel im Außen zu bewirken oder sich als Politiker, Popstar oder sonstwas zur Schau zu stellen. Außerdem werden psychisch Kranke teils wie die Aussätzigen der Moderne betrachtet; früher wars die Pest; heute sinds die psychisch Kranken.

Ehrlich gesagt würde ich mir heutzutage in Deutschland mehr Sorgen darum machen, psychisch krank zu sein, als darum, ob ich vll homosexuell sein könnte. Zumal Homosexualität nichts ist, was einen 'überfällt', so dass man dann willenlos die nächstbeste Frau 'anfallen' müßte ...

Ob, mit wem und auf welche Weise man sich auf einen Menschen einläßt - oder eben nicht einläßt - hat man selbst in der Hand. Man selbst trifft die Entscheidung für oder gegen einen Menschen.

Zitat

Momentan habe ich , weil ich in den letzten Zügen der Doktorarbeit stecke überhaupt keine Zeit daran zu arbeiten Männer kennen zu lernen.


Ziele und Prioritäten im Leben setzen, unabhängig von anderen Personen. Wenn ich deine Beiträge lese, denke ich, dass du an sich wichtigeres zu tun hast, als dich mit irgendwelchen Männern zu treffen, um dir selbst zu beweisen, dass du doch auf Männer stehst (wobei selbst dann, könntest du immer noch bi sein).

Abgesehen davon bestünde noch eine dritte Möglichkeit, nämlich die, eine generelle Angst vor Nähe in Form von Beziehung zu haben und die würde dann verstärkt bei dem Geschlecht auftreten, auf das du eigentlich stehst.

Mobbing verursacht eigentlich immer auch eine soziale Angst/Störung, grade, wenn man als Kind/Jugendliche gemobbt wurde.
Ich finde es wichtiger, am Selbstbewußtsein, Selbstsicherheit und Selbstwertgefühl zu arbeiten um insgesamt im Leben souveräner zu werden und zu sich selbst zu stehen, als auszutesten, welche sexuelle Orientierung man nun hat ...
... und wenn ich es richtig verstanden habe, wurdest du ja nicht gemobbt, weil sie dich für lesbisch hielten, oder?

Es gibt eine interessante Manga-Reihe, die sich ingewisser Weise auch mit deiner Kernangst vor Ablehnung durch Männer befasst. Die Hauptfigur des Manga ist eine Schülerin im Jugendalter, die total in einen Mitschüler ihrer Klasse(muss wohl Ende der Grundschule gewesen sein oder eine andere Schule) verliebt war, als sie ihm das gesteht, lacht er sie aus und ist gemein zu ihr und sagt wie sie es wagen kann ihn überhaupt anzusprechen,so häßlich etc wie sie ist. Sie ist dadurch dann so verletzt, dass sie sich total zurückzieht und von allen distanziert und an sich auch keine sozialen Kontakte hat, außer mit ihren Anatomiepuppen(sie hat 3 Puppen, die eigentlich für den Biologieunterreicht waren bei sich im Zimmer stehen; eins davon ist ein Skelett). Da sie sich so distanziert verhält und in ihrer eigenen Welt lebt, finden die anderen sie vor allem gruselig, weil sie eben auch Sachen mag, die die andren Mädchen nicht mögen,Horror etc und eben auch,weil sie sich nicht klischeehaft-mädhenhaft verhält.
Ihre Tante will,dass aus ihr eine 'richtige' Dame wird,die auch Gefallen an Kleidern und Schminke etc hat, deshalb quartiert sie in ihrer Villa(die ist sehr reich) 4 gleichaltrige Jungs ein, damit die ihrer Nichte das beibringen.
Die Geschichte verdeutlicht anschaulich und amüsant zugleich, welchen Effekt eine extreme Zurückweisung im Jugendalter auslösen kann; solange sie keiner wirklich beachtet, fühltsie sich sicher und gut, sobald aber ein Junge sich vll für sie interessieren könnte oder ihr zu nahe kommt 'kippt' sie um (im Manga fällt sie dann einfach in Ohnmacht).

Vll kommst du besser mit deinen Ängsten klar, wenn du sie rational analysierst und emotional etwas Abstand gewinnst. Mobbing hat viele Facetten und viele Folgen,solange man trotzdem danach noch in der Lage ist,sein Leben zu leben und nicht komplett abzustürzen, hat man sich zumindest etwas bewahren können. Manche, die Mobbing erlebt haben, treibt es bis zum Suizid und manche werden so krank, dass sie nicht einmal mehr ihr Erwachsenenleben danach schaffen, dahingehend, dass sie die Anforderungen der Gesellschaft erfüllen können; Ausbildung, Beruf etc.

Viele Grüße, Hermit.
Das Leben als solches ist absolut lebensgefährlich und führt mit 100%iger Wahrscheinlichkeit zum physischen Tod.

Lesen -> Denken -> Schreiben

~T~R~ O - o - O ~ L

mrs.münster

unregistriert

5

Sonntag, 16. Oktober 2011, 20:55

Halli Hallo
meinst du zufällig mich ?^^
Liebe Grüße