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Kinderseele

unregistriert

1

Freitag, 7. September 2007, 10:46

Verwirrung

Hallo ihr,

tja, wollte auch mal wieder einen Beitrag hier lassen.
In der letzten Zeit geht es mir recht seltsam...
Ich habe das Gefühl, mich einerseits neuen Dingen zu öffnen, mehr zu mir zu stehen, usw....
Andererseits kommen dadurch alte Ängste hoch; echt schlimm, ich kenne die ja noch von früher.
Naja, hab halt das Gefühl, dass mein Kopf einmal um seine ganze Achse gedreht wird...:-(

Liebe Grüße,

Kinderseele *kiss*

Pit-2001

unregistriert

2

Freitag, 7. September 2007, 14:02

RE: Verwirrung

kenn ich,
sehr gut sogar.

Gruß Pit

3

Sonntag, 9. September 2007, 23:07

RE: Verwirrung

Da kann ich mich nur anschließen. Ich glaube, das sind so Zeiten, in denen sich auch für andere Leute was ändert, nicht nur für uns Zwangskranke. Ich habe einige Freunde im Bekanntenkreis, bei denen das auch so ist. Ich versuche mich auch den Änderungen zu öffnen, ist aber gar nicht so einfach...

FunkyFighter

unregistriert

4

Montag, 10. September 2007, 16:11

RE: Verwirrung

das ist genau der moment der wichtig ist! du öffnest dich neuen dingen und es kommen alte ängste dabei hoch. eigentlich ist es ganz klar: bisher hat die angst dein vertrauen zu dir selbst ersetzt und jetzt, wo du dich neuen dingen öffnest ,bräuchtest du ein vertrauen um weiterzukommen um eben die neuen dinge wirklich anzupacken und erfahrung zu machen.
das ist die schwerste stelle, sage ich dir. du musst es in dieser unsicherheit aushalten und dich überwinden, selbst ohne vertrauen neue erfahrungen zu machen. das ist nicht leicht, aber das risiko musst du eingehen.
vielleicht fällst du wieder zurück weil die aufgabe zu groß, das vertrauen zu gering ist, aber das macht nichts. es ist wie gesagt nicht leicht. geh es langsam an und trau dir immer mehr zu, so kann dein vertrauen wachsen und rückblickend kannst du dich darauf berufen, sodass du zu neuen aktionen ermutigt wirst!
wenn angst kommt, sei standfest und trau dir was zu. ich box immer in die luft (bin ein verkappter kampfsportler) oder laufe eine form (kata) ab. das erdet mich und bringt mich zur ruhe und vor allem vom kopf weg in den körper. gleichzeitig weiß ich dann, dass ich für eine gute sache kämpfe und auch nur für eine gute sache kämpfen würde (das ist mir eine wichtige erfahrung, weil ich einen aggressiven gedankenzwang habe/hatte, im moment ist er weg. hehe). vertrau dir, du hast allen grund dazu und habe den mut zu veränderung! wenn du schon soweit gekommen bist, dass du dich für neues öffnen kannst, bist du schon sehr weit. respekt! und nun, an die arbeit!

5

Mittwoch, 12. September 2007, 22:31

RE: Verwirrung

Danke für die aufmunternden Worte.

Leider suche ich immer noch nach "einer Art von Entspannung, die mich dann wieder erdet". Was mir schon immer wieder hilft, ist der Gedanke an meinen Freund, da ich mit Ihm ja meine Zukunft verbringen will. Oft hält mich der Gedanke an unsere gemeinsame Zukunft aufrecht. Er ist mir sehr wichtig und ich weiß, das er mir guttut. Einer meiner größten Ängste ist es, ihn durch meine "Probleme" zu verlieren.
Du hast es sehr schön beschrieben, mit den Ängsten und den Veränderungen. Ich fühle mich echt oft hilflos und weiß nicht wohin mit mir. Aber na ja, ich glaube man muss erst ganz unten sein, damit es wieder bergauf gehen kann...

FunkyFighter

unregistriert

6

Donnerstag, 13. September 2007, 15:51

RE: Verwirrung

Hallo Roflo,

das klingt doch schon mal gut, was Du sagst. Du bist fähig, in der Liebe zu Deinem Freund über Dich hinauszugehen und hast Eure Zukunft als Ziel vor Augen. Deine Aufmerksamkeit gehört hier Deinem Freund und der Zukunft, nicht Deinen Gedanken, das ist gut. Finde noch mehr solche Ziele und die "Probleme" werden sich von Dir verabschieden. Du brauchst diese Probleme nicht um Leben zu können. Und vor allem brauchst Du die Angst nicht, Du könntest Deinen Freund verlieren. Das ist alles nur in Deinem Kopf. Schau Dich mal um in der Welt und entdecke was, dann wirst Du gleich mehr mit Dir anzufangen wissen. Dazu braucht man nicht zu warten, bis man ganz unten ist. Man muss einfach nur mal überlegen, was man eigentlich will und wenn man die Grübelei nicht will und einsieht, dass man auf sie verzichten kann - für den Preis, dass man mal schaun muss, was man dann eben sonst so mit sich anfangen kann (was ja eigentlich ein Geschenk ist im Vergleich) - wenn man also auf sie verzichten kann, dann wird eine ganze Menge Neues kommen. Ich kann nur sagen, dass man in erster Linie locker bleiben soll. Je weniger man sich selbst ernst nimmt, desto weniger unterstützt man den Zwang. Je mehr man stattdessen eine Sache ernst nimmt, wie Du z.B. Deine Beziehung, desto mehr stützt man sich und die Menschen um einen herum gleich mit. Deine Angst, den Freund zu verlieren, wäre eher eine Sache, wo Du Dich selbst zu ernst nimmst, weil du Deine Probleme zu ernst nimmst und weil es Dir dabei um Dich geht. Der Glaube an die Zukunft mit Deinem Freund ist die andere Seite. Und auf die andere Seite muss noch mehr kommen.
So ziemlich allles, was ich dazu weiß, hab ich in dem Thread "man kann es schaffen" geschrieben. Ich wiederhole mich auch gerade und ich hoffe der Markus wird mich nicht scheiße finden, weil ich überall meinen Senf dazugeben muss. Aber ich will nur weitergeben, was ich in den Jahren gelernt habe - wovon ich denke, es ist wahr. Das was auch mir selbst hilft. Viele Grüße!

7

Donnerstag, 13. September 2007, 18:01

RE: Verwirrung

Hallo FunckyFighter,

im Prinzip weiß ich das meiste davon ja eh, bloß kann ich es einfach nicht so schnell umsetzen. Habe in den letzten Monaten schon von mehreren Leuten gehört, das ich das Leben "leichter" nehmen soll, aber genau da leigt mein Problem. Das fällt mir sehr schwer. Auserdem suche ich schon seit längerem nach irgendwas, was mir Spaß macht. Meistens stellt sich bei mir ganz schnell die Frage "warum soll ich das tun", hat bei mir was mit dem >Sinn des Lebens zu tun, aber ich glaub, das ist ein anderes Problem. Na ja, ich merke ja schon, das sich was tut, mir geht es halt zu langsam .

FunkyFighter

unregistriert

8

Donnerstag, 13. September 2007, 19:05

RE: Verwirrung

Nein, das ist genau DAS Problem und Du weißt wohl doch nicht alles; weil es ist eben nicht NUR locker sein. Das ist es nur auf der einen Seite. Nicht NUR leichter nehmen, sondern: gleichzeitig auf der ANDEREN Seite - auf der Seite Deines Lebens und nicht auf der Seite Deines Denkens - DAS ernstnehmen und wirklich ernstnehmen, was Dir einen Sinn im Leben geben könnte.
Das meinte ich mit "über sich hinauswachsen". Nicht nur, dass man denken soll, "ach ja, alles halb so wild." Sondern, dass man seine Konzentration verlagert, seine ganze Aufmerksamkeit abzieht, von dem, was es nicht Wert ist beachtet zu werden, der Zwang und Deine Gedanken diesbezüglich, und sie in andere Dinge zu investieren, die außerhalb von Dir liegen. In das, was es eben Wert ist, beachtet zu werden. Und das ist z.B. Deine Liebesbeziehung. Daneben aber existiert noch etwas bei Dir, der Zwang und die Gedanken, weil da etwas ist, das neben Deiner Beziehung noch fehlt: Ein Sinn. Die Gedanken ersetzen ihn und ersetzen die natürliche Notwendigkeit zur Verantwortlichkeit. Solange Du denkst, kannst Du nicht handeln, solange Du zwanghaft reflektierst, Deine Rituale ableistest, solange brauchst Du Dich nicht der Welt und Deinem Leben und letzendlich auch dem Sinn deines Daseins zu stellen.
Und diesen Sinn kannst Du nur finden, Du kannst ihn nicht erzeugen. Du kannst ihn entdecken, aber dazu muss man Erfahrungen machen, etwas tun, etwas ausprobieren, auf die Schnauze fliegen. Und nicht sich Erfahrung vorenthalten, indem man Zeit, die da wäre um Erfahrung zu machen, an eine Handlung verschenkt, die ganz offensichtlich KEINEN anderen Zweck hat, als Zeit totzuschlagen: Der Wiederholungszwang.
Manche finden den Sinn in der Kunst, andere in der Forschung, andere in ihrem Beruf, in einer Tätigkeit, im Schaffen von irgendetwas, irgendeinem Wert oder sogar einem Werk, es gibt so viel. Und das ist eben NICHT eine andere Sache, sondern genau DIE Sache, der du Dich widmen solltest, DIE Sache, die frustriert ist bei Dir, sodass Du überhaupt die Zeit findest Dich sosehr mit Dir selbst zu beschäftigen. Wenn Du wirklich einen Sinn im Leben schon gefunden hättest, würdest Du Deine Aufmerksamkeit genau nicht bei Dir sondern bei Deinem Sinn haben, bei der Tätigkeit oder Sache, die deinen Sinn ausmacht - das muss nicht eine einzige Sache sein - es kann ein ganzes Lebenskonzept aus vielen kleinen Elementen sein und das ist es auc bei den meisten Menschen, die einen Sinn im Leben gefunden haben und erfüllen. Und ein Teil dieses Sinns ist schon gefunden, Dein Freund, aber das, was noch fehlt, lässt Dich die Aufmerksamkeit auf Dich selbst lenken.

Aber pass auf, man kann sich nicht zwanghaft selbst verwirklichen, das denkt hier in Deutschland ja jeder und deswegen scheiterts auch schon. The "persuit of happiness" ist unmöglich, auch wenn die Amis das nicht wahrhaben wollen. Man kann nicht nach Glück streben, es kann sich nur einstellen, als Effekt. Man kann nicht nach Erfolg streben, er kann sich nur einstellen aufgrund einer wahrhaftigen Leistung und nicht aus einer falschen Leistung heraus, die man etwa erbringt nur weil es von einem erwartet wird, was man aber selbst im Grunde gar nicht bei sich finden kann. Man kann auch nicht nach der Lust streben, weil sie ebenfalls ein Effekt ist. Warum gibt es sprüche wie "haste keine kriegste keine, haste eine kriegste alle?" (bescheuertes Beispiel aber es passt!) Weil man eben in dem Moment, in dem man eine Freundin hat nicht mehr danach strebt. Das macht einen interessant, weil es gespürt wird, dass da jemand ist, der nicht nur einen Effekt erhaschen will, sondern jemand, der aufgrund einer Leistung - wie es die Hingabe an einen Menschen ist, den man nicht seinentwegen sondern dieses Menschen wegen will - der aufgrund einer wahrhaften Leistung erfolgreich war.
Deshalb: Man kann nicht danach streben glücklich zu sein, man kann sich höchstens einen Grund dazu geben, glücklich zu sein. Und "locker sein" ist die Grundlage sich in die beschrieben Richtung zu entwickeln, aber es ist absolut nichts, wenn auf dieser Grundlage nicht gehandelt wird, der Blick nicht über sich selbst und den eigenen kleinen Kosmos hinausgewagt wird.

Lies vielleicht doch das Thread. Ich komme immer mehr zur Überzeugung, dass wirklich bei den meisten Menschen hier im Forum der "Wille zum Sinn" frustriert ist und mausere mich damit wohl zum Logotherapeuten, tut mir Leid Markus. Aber wenn ich so Sachen in Profilen lese, wie "Interessen: keine Ahnung" dann denk ich nur: alles klar. (nicht Dein Profil, roflo)

Und es gilt sogar allgemein: In Deutschland will sich zwar jeder selbst verwirklichen, deswegen schaffen es auch die wenigsten. Weil sie es nach einem Konzept versuchen, dem Konzept der Leistungsgesellschaft. Sobald man sich verwirklichen WILL, scheitert man auch schon darin. In gewisser Weise ist unsere ganze Gesellschaft zwangsneurotisch, weil der Zwang besteht sich selbst zu verwirklichen. Aber nach diktierten Maßstäben kann es nicht klappen und es kann vor allem nicht klappen wenn man alles daran setzt sich zu verwirklichen, in Wirklilchkeit aber nur noch mit seiner Selbstverwirklichung beschäftig ist, sie aber nie erreicht, weil man vergessen hat, dass man sich mit einer Sache beschäftigen müsste, sich selbst vergessen, und so zur Verwirklichung gelangen.
Man muss etwas tun, das einem entspricht, dann nimmt man den Platz ein, der für einen bestimmt ist, dann ist man am nützlichsten für alle Beteiligten und nur dann kann sich so etwas wie Erfolg oder letztendlich "Glück" einstellen.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »FunkyFighter« (13. September 2007, 19:08)


Pit-2001

unregistriert

9

Donnerstag, 13. September 2007, 19:58

RE: Verwirrung

Funky, du hast Recht, was den Normalbürger betrifft.

Es gibt aber Zwängler, wo dies nicht hinhaut.

M I C H zum Beispiel. Ich fand deine Theorien und Erfahrungen gut. Ich bin mitgegangen, aber nach obigem Bericht muss ich einfach sagen, das geht daneben.

Ich hatte früher einen Sinn, zwei Sinne, die mich nicht vor den Zwängen bewahrt haben.

Dann kam eine lange Zeit der Sinnlosigkeit. Jetzt habe, hätte ich wieder einen Sinn, aber die Zwänge machen all das kaputt.

Du hast keine Chance, mit Sinngebung gegen Zwänge.

Tut mir leid, aber ganz bestimmt trifft dies hier und da zu, besonders wichtig ist es für Gesunde.

Dass deine Ansichten gut sind, das steht außer Zweifel, aber nicht für jeden Zwängler.

Pit

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Pit-2001« (13. September 2007, 20:01)


10

Donnerstag, 13. September 2007, 23:03

Es ist doch eine Binsenweisheit, daß man sinnlose Sachen ungerne macht und sinnvolle Sachen umso lieber.
Mit Sinn scheint also vieles besser zu gehen. Ob es ohne Sinn garnicht geht oder wie groß er sein muß, ist einfach eine offene Frage.

Wäre es nicht sinnvoller mal nach Techniken usw. zu schauen, die Sinn vermitteln oder bewußt machen und ggf. entfalten helfen?

Extrem sinnvoll wäre es mal hier weiter zu forschen: http://www.zwangserkrankungen.de/forum/t…eadid=2075&sid= :dafuer:

FunkyFighter

unregistriert

11

Freitag, 14. September 2007, 00:05

Ok Leute, mehr hab ich wirklich nicht zu bieten. Was ich lediglich versucht habe, ist eine weitere menschliche Dimension für den Kampf gegen die Zwänge zu aktivieren, eine Dimension die z.B. die Verhaltenstherapie nicht kennt, höchstens der jeweilige Therapeut.
Danke Markus, dass du mich bei diesem Versuch zum Binsenweisheitenvertreter degradierst. Aber du hast es nicht gerafft. Ich sag nicht, mit Sinn kann ich leichter den Zwang bekämpfen, sondern mit Sinn werde ich eher verantwortlich und ziehe dem Zwang den Boden unter den Füßen weg. Weil ich kenne keinen Zwangskranken, dessen Bereitschaft zur Verantwortung nicht in irgendeiner Weise beschnitten wäre.
Der Mechanismus ist ein ganz wenig (aber nur ein wenig freilich) komplizierter als du es darstellt, Markus. Aber du hast natürlich Recht, du kannst ALLE meine Posts komplett auf diese Weise in einem Satz zusammenfassen, wie du es gerade getan hast - als Binsenweisheit. Deswegen habe ich auch nur 4 Jahre Krankheitsgeschichte investiert, um so weit zu kommen, eine Binsenweisheit für mich zu entdecken. Kein Wunder - wenn man so wenig nachdenkt wie ich... du wirst wohl Recht haben...
Desensibilisierung ist ja auch schön - hat man an Ratten festgestellt, dass man Verhalten ab- und wieder antrainieren kann. Konditionierung, Dekonditionierung - zu mehr Weisheit ist die Verhaltenstherapie auch nicht imstande. Da ist halt kein Platz für die menschliche Dimension, den Humor, die Liebe, Glaube, Hoffnung. Ich mein check it out, whatever works for you. Flute dein Gehirn mit Angst.
Ich kann nur sagen, ich hatte ÜBELSTE Zwangsgedanken und die krasseste Scheiße durchgemacht, war mehrmals davor mir das Leben zu nehmen. Ich habs nicht gemacht und nicht weil ich wusste - ach da gibt ja noch die Desensibilisierung, stimmt ja, jetzt ist wieder alles fett - sondern weil ich wusste: du kannst nicht gehen, da ist noch was! Und ich merke nur, wie ich jeden Tag wachse und wachse und NICHTS gegen den Zwang mache, außer auf ihn zu scheißen! Und je mehr ich wachse desto mehr schrumpft der Zwang. Und was ich da beschrieben habe war lediglich eine Anleitung zum wachsen, zum ausbrechen, vielleicht bin ich auch grade nur in einer Phase der Emanzipation aber je mehr Freiheit ich dadurch in der Welt gewinne, desto mehr Freiheit entwickelt sich IN mir.
Das ist so und es ist wahr. Und wenn du meinst für dich gilt eine andere Wahrheit, dann ist das auch wahr, weil letztendlich ist man doch nur das, was man von sich denkt. Ich bin auch kein Christ ich scheiß auf die Kirche - falls es das ist - aber ich bin auch kein Abkacker und ich kann mir kaum vorstellen, dass irgendjemand hier schlimmere Zwänge hat als ich sie hatte, weil es gab Zeiten da war ich so gut wie tot!
Mehr Meinung als bisher vertreten, habe ich nicht zu bieten. Und es war nicht nur "Sinn, tralalaaa". Weißt du ich bin eben ein Fighter, das ist es, und ich will nicht wissen, wie viele mit meinen Zwängen, die ich hatte, kläglich abgekackt wären.
Aber schön. Ich arbeite an meinem Leben und du kannst dich desensibilisieren. Mal schaun wer hier schneller raus ist.

Übrigens merke ich gerade, dass du Angehöriger bist und da kann ich nur sagen: Hattest du jemals die Gelegenheit direkt am System zu stehen, dass diese Leiden verursacht? Hast du jemals DIREKT das analysieren können, was die Leute hier krank macht? Nein, du bist immer daneben gestanden, warst - wie die Forschung - immer auf Beobachtungen und Aussagen Betroffener angewiesen, die sich in den meisten Fällen nicht wirklich ausdrücken können, weil die Mechanismen einfach zu komplex sind und auch ich Jahre gebraucht habe, um einigermaßen dahinter zu kommen und dann noch etwas zu finden, das dagegen wirkt. Es ist nicht nur "ein Sinn", sondern ein komplexes Modell. Und daraus ergeben sich die verschiedensten Verhaltensweisenfür die verschiedensten Situationen, ich habe freilich nur das Allgemeinste, das Aussagbarste mit dem höchsten Mitteilungswert hier präsentiert. Letztendlich kann man es im Einzelnen auch Desensibilisierung nennen, auch Dekonditionierung usw., aber es geschieht von einem ganz anderen Standpunkt aus - der einfach nötig ist, um auszubrechen. Aber ok es reicht.

Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von »FunkyFighter« (14. September 2007, 00:57)


Pit-2001

unregistriert

12

Freitag, 14. September 2007, 00:48

Mut machen

Hi Funky, irgendwie kann ich mich des Eindrucks nciht verwehren, dassdu dir mit deinen Beiträgen selbst Mut machst.

Und,

ich muss dir sagen, das machst du richtig. Wenn du auch hier und da aneckst, das müssen wir abkönnen.

Es gibt kaum Leute, die so progressiv an die Sache rangehen.
Du bist o.k. und machst das richtig, was für dich richtig ist.

Gleichzeitig hast du uns gute Denkansätze geliefert, ganz unabhängig davon, ob diese auf alle passen und allen genauso helfen, sind sie prinzipiell nicht verkehrt.

Wenn nach alldem Markus mit der guten alten VT kommt, ist mir das etwas unverständlich.

Aber besser jemand kommt mit etwas als mit gar nichts.

Und in dem Sinn mach ich jetzt mal schnell Schluss.

Mit einem Lächeln der Selbstironie :)


Pit

FunkyFighter

unregistriert

13

Freitag, 14. September 2007, 01:02

RE: Mut machen

Ok. Nur mache mir nicht nur Mut, sondern suche nach Wahrheit und das ist immer mein tiefstes Anliegen gewesen. Und das ist Leidenschaft und die bekommst du zu spüren, nicht nur den Willen.

Greets, P

14

Sonntag, 16. September 2007, 23:51

RE: Mut machen

Hallo FunkyFighter,

wenn ich Deine Beiträge so lese, merke ich das du wohl das schlimmste schon hinter dir hast. du bist motiviert und denkst, es kann jeder schaffen.
ich hab mich auch schon aus richtig sch... zeiten rausgebracht, aber da ging es dann oft um andere sachen nicht so sehr um die zwänge. das schlimme an den zwängen, ist ja, das sie im kopf passieren. ich hab schon mal vor ca. 15 jahren gesagt, ich bin mein schlimmster feind. das hatte sich die letzten jahre zwar wieder gelegt, aber je mehr ich mich mit der zwangskrankheit befasse umso mehr bin ich eigentlich doch wieder davon überzeugt. ich habe im augenblick das gefühl, das ich mich im kreis drehe. ein par von meinen zwangshandlungen hab ich im augenblick ja unter kontrolle, dafür gerät der rest oftmals aus den fugen. ich fühle mich dauerfhaft einfach sch...unglücklich ohne erdenklichen grund. manchmal glaub ich, das ich depressionen hab. was weiß ich. gott sei dank bin ich da doch noch immer so stabil, das ich nicht selbstmordgefährdet gelte.
ich habe auch das gefühl, das dieses jahr mein 30. auch so einiges in mir augelöst hat. da sieht man ja doch immer mal auf sein leben zurück und schaut wo man den so steht und da fühl ich mich einfach im augenblick als versager. ich habe im augenblick einfach keine kraft zum kämpfen. ich weiß, das ich was machen müsste, weiß aber grad nicht wo ich anfangen soll.

FunkyFighter

unregistriert

15

Montag, 17. September 2007, 15:58

RE: Mut machen

hallo roflo,
ja kann sein dass du in vielem recht hast. was ich aber ganz bestimmt weiß ist, dass du sicher nicht dein schlimmster feind bist. glaube sowas nicht, es ist nicht wahr, denn du bemühst dich wie ich sehe sehr, da rauszukommen. auch wenn ich lese, dass leute anderen vorwerfen (psychoanalyse), sie wollen sich in wirklichkeit nicht helfen lassen, werd ich wild, weil es einfach falsch ist. man begibt sich doch gerade deswegen in therapie, um sich helfen zu lassen. ich hab leute getroffen, die sich wirklich nicht helfen lassen wollten und die waren ein bisschen anders drauf... mach dir bitte kein schlechtes gewissen, vonwegen du bist an allem selbst schuld und du bringst dich selbst zu diesem leiden. nein, du hast nicht schuld daran und deine mühen, es in den griff zu bekommen, sind zu respektieren.
ich glaube eher, dass dein schlimmster feind die welt ist, vor der hast du angst. das werde ich begründen müssen und bin auch schon am ausarbeiten eines längeren textes. vllt dauert es noch ziemlich lange bis das fertig ist und ich will es mit einem fachmann besprechen. wenn es gut ist stell ichs ins forum.
ich glaube wirklich, man könnte den meisten hier helfen.
bleib am ball

cu, phil

16

Mittwoch, 19. September 2007, 00:28

RE: Mut machen

Hallo FunkyFighter,

na da war ja mal ein aufmuntender Beitrag und hat den Nagel wahrscheinlich ziemlich auf den Kopf getroffen. Einen großen Teil meines Lebens hab ich nämlich mit Ängsten verschiedenster Art verbracht und verbringe ist noch. ich schreibe auch deshalb, das ich selbst mein schlimmster feind bin, weil sich diese ängste ja im kopf abspielen. ich bin jetzt 30 und bin z. b. letztes jahr zum ersten mal geflogen. aus verschiedenen gründen hate sich das vorher nie ergeben. war aber bis dahin überzeugt davon, das ich flugangst habe, aus dem einfachen grund, weil ich den boden unter den füßen verliere. ich finde es komisch, viele die ich kenne,haben angst abzustürzen, aber ich habe so eine komische angst. so geht es mir bei vielen anderen sachen auch. eigentlich habe ich ja angst vor der angst. aber na ja, schau ma ma mal was wird.
im übrigen hab ich letze woche von meinem chef ne schlechte nachricht bekommen, nämlich das ich die abteilung wechseln muss, da ich für diese stelle eigentlich nicht geeignet bin. anfangs war ich sehr depremiert darüber, aber nun denke ich, das das evlt. für mich eine neue chance sein kann, da ich ja eigentlich mit dieser stelle eh nie ganz glücklich war.

sg
roflo