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Familie & Partnerschaft: grausam

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Schussel

Anfänger

  • »Schussel« ist männlich
  • »Schussel« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 54

Zwangssymptome: Magisches Denken, grübel Zwang, Waschzwang

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1

Donnerstag, 5. September 2013, 08:41

grausam

Hallo liebes Forum,

ich schreibe grausam, weil ich durch meine Zwwänge sehr grausam meinem Umfeld gegenüber bin. Im Besonderen meiner Frau.

Um das ein bisschen genauer zu erklären: ich leider unter Zwangsgedanken und Zwangshandlungen, magischem Denken, Kontrollzwang, Waschzwang, negativen Zwangsgedanken usw. Also von allem ein bisschen.

Ich bin deswegen momentan grausam, weil ich meiner Frau schon so oft versprochen habe, die schlimme Angst durchzustehen. Wenn ich ehrlich bin, habe ich das bisher nicht ein einziges mal geschafft. Entweder hab ich mich selbst verarscht damit ich ne Expo durchziehe oder ich habs nicht ausgehalten und neutralisiert.

In den Momenten, in denen ich verspreche es durchzustehen, glaube ich wirklich daran, dass ich es schaffen kann. Umso schlimmer ist es für mich, wenn ich dann wieder einknicke.
Ich bin grad von der Arbeit nach Hause gefahren. Ein absoluter Tiefpunkt für mich. Gestern abend noch war ich optimistisch, es endlich anzugehen. Ich war guter Hoffnung nach einem langen Gespräch und dann hab ich es heute wieder nicht geschafft.

Ich ertrage einfach keine Niederlagen mehr.

Ich bin jetzt 8 Jahre mit meiner Frau zusammen und als wir uns kennenlernten, war ich noch gesund. Sie hat immer zu mir gestanden während der mittlerweile andauernden 6 jährigen Krankheit. Ich habe einen stationären Aufenthalt hinter mir und befinde mich in der zweiten ambulanten Therapie.
Aber so langsam wollen wir beide Kinder haben. Wir sind beide nie davon ausgegangen, dass meine Zwänge auf jeden Fall verschwinden werden oder komplett weg gehen. Ich denke wir waren realistisch und gingen davon aus, dass ich nur versuchen kann ein normales Leben zu führen, also mit dem Zwang zu leben, ihn aber in den Griff zu bekommen.
Sie hat nie von mir verlangt zu 1000% gesund zu sein und ja niemals wieder zu zweifeln. Sie erwartet jedoch von mir, dass ich etwas für meine psychische Gesundheit tue und ich finde das bin ich ihr schuldig. Sie kann sich jedenfalls momentan nicht vorstellen, wie sie mit mir an ihrer Seite Kinder erziehen soll, weil ich manchmal schon sehr abdrifte.

Dieser neue Tiefpunkt soll ein Neustart sein. Ich werde mich hüten wieder etwas zu versprechen, aber es muss sich etwas ändern. Ich möchte sehr gern Kinder haben, deswegen möchte ich mich konfrontieren und es schaffen.

Ich wollte das gerne mal aufschreiben und allen im Forum für Ihre Berichte danken.

Eine Frage, die zugegebenermaßen schon oft gestellt wurde ist, wie ihr mit der größten Angst umgegangen seit? Was hat euch abgehalten zu Neutralisieren?

Vielen Dank schonmal an Euch alle.

Schussel

girasol1991

unregistriert

2

Donnerstag, 5. September 2013, 15:35

Eine Frage, die zugegebenermaßen schon oft gestellt wurde ist, wie ihr mit der größten Angst umgegangen seit? Was hat euch abgehalten zu Neutralisieren?


Hey, also ich kann ja nur ganz persönlich sagen, was mir hilft, auch wenns zugegebenermaßen schwer ist, dass Ganze eindeutig zu fassen und zu formulieren...ich glaube,
es ist die Lust am Leben; die Hoffnung, dass es klappen kann; der Wunsch nach einem normaleren Leben; das Wissen, was ich alles schon geschafft habe; die Wut über den Zwang und wie sehr er mich doch kontrollieren und beeinflussen kann...irgendwas ist da in mir, was mich motiviert immer weiter zu kämpfen. ich glaube wirklich, dass es sich lohnt zu kämpfen. ich will nicht von dieser welt gehen und bereuen, dass ich nicht alles gegeben habe...ich versuche mir regelmäßig klarzumachen, wofür das ganze ist und dann klappt es meist irgendwie...

hilft dir das?

Schussel

Anfänger

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3

Freitag, 6. September 2013, 08:38

Hi girasol1991,

das ist eine tolle Antwort. Vielen Dank!

Deine Einstellung zum Leben ist echt super, da sollte ich mir schleunigst ne Scheibe von abschneiden. Nie Aufgeben und nie die Hoffnung verlieren.

Das hilft mir, Danke nochmal!

Waschkröte

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4

Dienstag, 5. November 2013, 23:32

Lieber Schussel,

das mit der Grausamkeit kann ich gut nachvollziehen. Ich bin in einer ähnlichen Situation. Mein Mann ist von meinem Reinigungszwang auch sehr betroffen, und ich habe es in den drei Jahren meiner Krankheit noch nicht geschafft, "große" Fortschritte zu erzielen. Viele Sachen sind für mich noch genauso schlimm wie am Anfang.

Wir haben zwei Kinder (2 und 5 Jahre alt). Manchmal denke ich, wenn die nicht wären, könnte ich mich viel intensiver in die Heilung meiner Krankheit werfen. Ich könnte in Kliniken gehen. Ich könnte Konfrontationsübungen machen, und wenn ich dann den Rest des Tages heulend in der Ecke sitze, ist es kein Problem. Ich vermeide momentan sogar kleinere Expositionen, wenn die Gefahr besteht, dass ich im Anschluss den Familienbetrieb nicht mehr gescheit aufrechterhalten kann. Wenn ich gewisse Rituale und Routinen einhalte, klappt es einigermaßen.

Ich kann deine Unzufriedenheit über die vielen Niederlagen verstehen. Ich habe aber seit einiger Zeit das Gefühl, dass es vielleicht gar nicht der richtige Weg ist, mit aller Macht gegen den Zwang KÄMPFEN zu wollen. Denn nur wenn man das tut, kann es auch "Niederlagen" geben. Und ist es nicht auch wieder ein neuer "Zwang", an dem man sich festbeißt, und der viel Potential bietet, sich selbst schlecht zu machen? Vielleicht ist es besser, dem Zwang nach und nach gewissermaßen das Wasser abzugraben. Hunderte von kleinen Schrittchen zu unternehmen, dem Zwang immer weniger Energie zu geben. Sich selber gut zu behandeln. Stressige Lebensumstände nach Möglichkeit zu reduzieren. Abstand zu Menschen finden, die einem nicht gut tun. Und vieles mehr.

"Große" Fortschritte und Sprünge, gibt es glaube ich bei diesem Weg nicht. Man müsste die ganz kleinen Dinge wertschätzen. Das ist nicht leicht. Meine Hoffnung ist, dass ich irgendwann den Zwang nicht mehr wie ein Monster vor mir sehe, sondern wie ein mittelformatiges Tier, das zwas etwas unerfreulich ist, mir aber nur bedingt etwas anhaben kann.

"Ich muss den Zwang jetzt unbedingt loswerden, weil ich Kinder haben möchte, und mit Zwang geht das nicht!" – wenn ich mir diesen Satz durchlese, bekomme ich Bauchweh. Ich verspüre dann einen großen Druck, der auf dir lastet. Ich glaube, dass man mit Krankheiten so nicht umgehen kann.

Ich habe meine Kinder sehr lieb. Aber ich bin überzeugt davon, dass man auch ohne Kinder ein erfülltes Leben führen kann. Und ich glaube (und hoffe es sehr!), dass es durchaus möglich ist, MIT Zwang ein Kind großzuziehen - wenn man sich an einige Regeln hält. Wenn der Umgang liebevoll ist, und der Zwang nicht alles beherrscht.

Quovadis

unregistriert

5

Mittwoch, 6. November 2013, 10:00

Zitat

Eine Frage, die zugegebenermaßen schon oft gestellt wurde ist, wie ihr mit der größten Angst umgegangen seit?
In meinem Fall war die Angst vor der Angst eigentlich meist wesentlich dramatischer, als die Furcht, die bei unterlassener Zwangshandlung aufgetreten ist.

Ich habe oftmals erwartet, dass der restliche Tag, oder gar mehrere Tage nicht mehr auszuhalten sein werden, wenn ich jetzt nicht X kontrolliere.
Habe ich es dann wirklich gelassen und absolut nicht kontrolliert, dann gab es zwar ein gewisses Unbehagen...vielleicht auch eine Weile Anspannung, aber das ist immer recht zügig vergangen.

Für mich war also das völlige Unterlassen von Zwangshandlungen immer angenehmer, als zB. fehlgeschlagene Kontrollhandlungen.



Als ich die Erkenntnis erreicht habe, dass die Angst gar nicht so übermächtig wird, wie ich es mir ausgemalt habe, wurde das Unterlassen der Zwänge immer einfacher.
Zudem wird man durch Erfolge und gewonnene Lebensqualität immer weiter motiviert. Das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl wächst.

Meine Therapeutin hat mir damals erklärt, dass rein hirnphysiologisch, die Angst gar nicht dauerhaft aufrecht erhalten bleiben kann. Irgendwann sind die angstauslösenden Botenstoffe bzw Stresshormone erschöpft und es ist wieder Platz für rationalere Emotionen. Diese Aussage hat mir damals sehr beim allerersten Schritt geholfen.

Zitat

Was hat euch abgehalten zu Neutralisieren?
Das waren in meinem Fall im wesentlichen zwei Faktoren:

1. Meine Zwänge haben zu dem damaligen Zeitpunkt meinen persönlichen Rubikon überschritten. Ich habe täglich bis zu 90 Minuten gebraucht um die Wohnung zu verlassen und war praktisch jeden Tag zu spät bei der Arbeit und musste dementsprechend lange in den Abend hinein arbeiten. Mir war klar, dass die Erkrankung mein soziales Umfeld zerstört und ich schon bald nicht mehr arbeiten können würde...vielleicht irgendwann gar nicht mehr die Wohnung verlassen. Das musste ich verhindern!

2. Der Selbstbetrug - Ich habe mich selber als Zwangserkrankter immer wie ein ständig lügender Süchtiger empfunden. Ich habe ja nicht nur der Umwelt ständig etwas vor gemacht indem ich so tat, als sei ich "normal" und würde nicht in ständiger Angst leben, sondern belog mich immerzu selber: " Ich gehe jetzt nur noch einmal kontrollieren..OK....So, jetzt gehe ich wirklich nur noch einmal und sehe nach dem Herd...". Ich denke, die meisten Betroffenen wissen, was ich meine.
Ich war einfach nicht gut zu mir und habe mich konstant selber genötigt und beschissen.

Diese beiden Faktoren haben den Umbruch bewirkt und somit meinen Willen den Weg zur Genesung zu beschreiten, egal wie schmerzhaft er auch sein mag, manifestiert.

Schussel

Anfänger

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6

Mittwoch, 6. November 2013, 12:03

Hallo ihr Lieben,

vielen Dank für eure Antworten. Das ist wirklich toll, dass ihr so ausfühlich erklärt wie es bei euch läuft.

@Waschkröte:
Die Betrachtung, dass man sich festbeißt und das die Niederlagen einen noch weiter runterreißen find ich gut. Ich denke da hast du Recht.
Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass es aufgrund deiner Kinder sehr schwer ist, sich der Angst zu stellen. Das tut mir echt leid.

Wie alt sind deine Kinder denn? Hab ne Idee, dass dein Partner mit den Kindern vielleicht für ne Woche oder zwei verreist. Ich weiss nicht ob das möglich wär.
Auch bin ich davon überzeugt, dass man mit Zwangserkrankung Kinder großziehen kann.
Ich gehe auch nicht davon aus, dass er mit einem Mal komplett verschwunden sein wird.
Aber bevor Kinder da sind, möchte ich da doch noch etwas schaffen. Ich möchte es schaffen, die Angst zu ertragen. Ich glaube, das ist für mich sehr wichtig.

@Quovadis:
Vielen Dank, dass du deine Erfahrungen mitteilst.
Ich erkenne mich da total wieder. Hab oft das Gefühl wie ein Suchtkranker mich selbst und andere hinters Licht zu führen. Es ist wirklich der reine Selbstbetrug.
Auch die Vorstellung, dass ich wegen der Angst, die bei Unterlassen der Zwänge kommt, ich nicht mehr vernünftig arbeiten kann etc. hält mich oft davon ab mich zu stellen.

Toll das ihr geantwortet habt.

Bis dahin

Schussel

Femme1705

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7

Mittwoch, 6. November 2013, 17:11

@quovadis

Hi,
Ich mische mich mal kurz hier ein - Sorry

Ich habe deinen post gelesen und die letzten zwei Punkte haben mir nochmals was ganz wichtiges klargemacht, besonders der Punkt: ich belüge andere und mich selbst indem ich etwas schauspielere was ich aber nicht bin...

Aber was hast du dann gemacht? Hast du deinen Mitmenschen von deinen Zwängen, Gedanken oder ängsten erzählt? Und am meisten interessiert mich wie hast du dich gegenüber dir selbst verhalten, wenn zwänge auftreten? Einfach aufhören geht ja nicht...

Freue mich auf deine Antwort :-)

Lg

8

Mittwoch, 6. November 2013, 23:12

hallo ihr lieben!

ich misch mich auch mal ein : )

was ihr da geschrieben habt war echt schön zu lesen grade.

@ schussel: ich kann sehr gut nachvollziehen, wie du dich grade fühlst. mir geht es mit meinem partner ähnlich. immer wieder beschließen wir gemeinsam an den zwängen zu arbeiten und ich merke jedes mal wie enttäuscht er ist, wenn ich es nicht schaffe. manchmal bereue ich sehr, dass ich ihm von meinen zwängen erzählt hab, weil jetzt muss ich sie nicht mehr verstecken.

manchmal schaff ichs ein paar zwänge sein zu lassen. leider hab ich irgendwie fast immer zwänge, auch wenns nur in gedanken is. das heißt, wenn ich mal eine zeit lang durchhalte, dann kommt irgendwann schon der nächste zwang und dann bin ich wieder frustriert.

die angst vor der angst kenn ich auch. das is überhaupt das schlimmste. wenn ich einen zwang gar nicht mach dann gehts noch so. aber wenn ich ihn angefangen hab, dann muss ich ihn fertig machen.

darf ich euch etwas fragen? wie haben die zwänge bei euch angefangen? wisst ihr noch was euer erster zwang war? ich hab meine zwänge schon so lange. ich kann mich nicht mehr dran erinnern wie es ohne is. ich glaub das is auch ein grund warum ichs nicht schaff mit den zwängen aufzuhören.

Schussel

Anfänger

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9

Donnerstag, 7. November 2013, 07:37

Also meine ersten Zwänge waren Gedankenzwänge im ALter von 17 oder 18 Jahren.
Dann mit 25 gab es eine Situaton auf der Intensivstation wo ich damals als Krankenpfleger arbeitete und ich begann an mir als Person zu zweifeln.
Durch Zwänge konnte ich mich immer wieder beruhigen, jedoch half das nur sehr kurz.
Denn Rest kann man sich denken:
Selbstzweifel führen zu Zwängen, Zwänge lassen den Selbstzweifel steigen also mehr Zwänge usw.

lG

Schussel

10

Donnerstag, 7. November 2013, 11:39

danke für deine schnelle antwort.

also ich kann das natürlich nachvollziehen aber bei mir stehen selbstzweifel nicht so im vordergrund.

ich hab grad gesehn dass du 200 mg sertralin nimmst. ich hab gestern mit paroxetin angefangen. allerdings nur 10 mg. is das normal dass das dann noch so gesteigert wird?

11

Donnerstag, 7. November 2013, 11:39

danke für deine schnelle antwort.

also ich kann das natürlich nachvollziehen aber bei mir stehen selbstzweifel nicht so im vordergrund.

ich hab grad gesehn dass du 200 mg sertralin nimmst. ich hab gestern mit paroxetin angefangen. allerdings nur 10 mg. is das normal dass das dann noch so gesteigert wird?

Quovadis

unregistriert

12

Donnerstag, 7. November 2013, 14:06

Zitat

Aber was hast du dann gemacht? Hast du deinen Mitmenschen von deinen
Zwängen, Gedanken oder ängsten erzählt? Und am meisten interessiert mich
wie hast du dich gegenüber dir selbst verhalten, wenn zwänge auftreten?
Einfach aufhören geht ja nicht...
Ich werde das nur kurz beantworten, weil das eigentlich Schussels Diskussion ist und ich nicht so sehr von seinem Thema weg will:

-Ich habe einige Menschen informiert, mit denen ich viel Kontakte hatte und von denen ich Verständnis, oder Unterstützung benötigte. Familie, Freunde Chef und einige Kollegen. Das ist aber ein zweischneidiges Schwert und eine sehr persönliche Entscheidung.

-Mein Zwang und wohl auch die meisten Zwänge (ausgenommen reine Zwangsgedanken/ zwanghaftes Grüblen) bestehen sehr grob betrachtet im wesentlichen aus zwei Stufen.

1. auslösender Gedanke ("Ich habe womöglich etwas vergessen", oder "Das könnte schmutig sein")

2. neutralisierende Handlung (Waschen, Kontrollieren, Zählen...)

Ich habe begriffen, dass ich an Punkt 1. zunächst wenig ändern kann. Man kann sich nicht schützen vor Ängsten, oder anderen negativen Gefühlen auch nicht und das ist ganz wesentlich durch Vermeidung.
Aber man kann das Neutralisieren Unterlassen und somit seine Art zu Denken und sogar seine neuronalen Strukturen verändern. Ein Gehirn, dass nicht durch neutralisieren "befriedigt" wird begreift, dass die Befürchtung wohl doch nicht so relevant war, wie zunächst gedacht. Das heißt, dass auch die Ängst an Punkt 1 weniger werden.

Ich komme auch heute noch an schlechten, stressigen Tagen immer wieder Gedanken, wie bei Punkt 1. erwähnt, aber ich lasse sie, dass sein, was sie sind -Gedanken- und nicht mehr.

Schussel

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13

Donnerstag, 7. November 2013, 18:33

@co:
kann ich dir leider nicht sagen, hab auch erst glaub ich 50mg genommen und dann gesteigert wenn man es verträgt.

@Quovadis:
Ich finds total toll, dass du hier deine Erfahrungen hereinschreibst und hab damit kein Problem, wenn es ein bisschen abweicht.Es ist für mich sehr ermutigend zu erfahren, dass man es schaffen kann, die Ängste zu ertragen.

Grüße an alle

Schussel

Schussel

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Donnerstag, 5. Dezember 2013, 17:15

Hallo liebes Forum,

ich muss sagen, dass ich ziemlich baden gegangen bin mit meiner Idee, den oben erwähnten Zeitpunkt als Neuanfang zu werten. Es ist eher schlimmer geworden muss ich leider gestehen.
Das harte ist, dass ich mich selbst betrüge, mehr als ich mir zuvor eingestanden hab. Quovadis hat da schon sehr recht.
Bei mir kommt das Problem dazu, dass ich wenn ich eine Sache ertragen habe, eine andere so stark wird, dass ich sie nicht mehr aushalte. Wenn ich dann bei der Arbeit einfach weiter mache, kann ich mich nur schlecht konzentrieren.
Hieraus resultiert dann auch wieder ein schlechtes Gewissen, denn was ist wenn ich jetzt etwas überlesen habe?
Und schon kommt Zwang Nr. 2 (Kontrollzwang) zur Tür herein und setzt sich zum magischen Denken oder zum Waschzwang.

Ich habe das Gefühl, dass der Ansatz von Quovadis auch gut zu mir passen würde.
Eine konsequente Entscheidung treffen, eher zu vertrauen als zu zweifeln. Konsequent auf alle Zwangshandlungen verzichten. Ich gerate nämlich oft in Situationen, in denen ich bisher eigentlich keine Zwänge hatte und plötzlich schießt mir eine Idee oder ein Gedanke in den Kopf, der mich so überrascht und erschreckt, dass ich noch leichter nachgebe.

Vielleicht kann ich so einen ersten Schritt tun, um besser mit meinen Befürchtungen umzugehen.

Bis bald und haltet die Ohren steif.

Schussel