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SaMuMulle

unregistriert

1

Sonntag, 26. August 2012, 18:38

Zwanghafte Persönlichkeit Angst vor Vergänglichkeit?

In
einer Welt, in der es keine Sicherheit gibt und Veränderungen
normaler Lauf des Lebens sind, suche ich größtmögliche
Sicherheit/Garantie. Suche nach etwas, das bleibt, etwas, worauf man
sich verlassen kann. Etwas, das immer da ist. Nie verschwindet.
Etwas, das ich nicht verlieren kann.



Halte
mich somit krampfhaft fest an allem, was in meinem Leben wichtiger
Bestandteil ist.


Mache
mich dabei quasi "abhängig" von alles und jedem.



Nicht
eine Abhängigkeit, die sich auf einen Menschen oder eine Sache
bezieht, sondern auf alle für mich relevanten Lebensbereiche.
Abhängig vom GEWOHNTEN. VERTRAUTEN.



Veränderungen
und die alltägliche Vergänglichkeit von Dingen und Beziehungen,
gleicht für mich einem VERLUST.




Ein
übertriebenes Sicherheitsbedürfnis und die Angst vor jeglicher Form
von Vergänglichkeit, sorgt für zwanghafte Gedanken und Grübeleien,
die meinen Alltag stark beeinflussen.



Ich weiß nicht, wo ich meine Gedanken/Zwänge/Handlungen einsortieren kann.... Denn weder habe ich Waschzwänge noch sonst irgendwas... sind das überhaupt zwänge oder was könnte es sein? Denn es ist enorm belastend



Was
mir meine Zwänge u.a sagen:



Es
MUSS alles so bleiben wie es ist.



Ich
MUSS perfekt funktionieren, MUSS für immer an diesem Ort in dieser
Wohnung bleiben (alles muss hier gleich bleiben, nix umstellen,
verlegen, wegschmeißen etc. alles möglichst gleich bleiben)


Ich
MUSS an alles denken, darf nichts vergessen.



Ich
MUSS alle Erinnerungen speichern, protokollieren, festhalten.



Ich
MUSS im Gehirn alles Genaustens abwägen (Vor und Nachteile, alle
Perspektiven betrachten)


Ich
MUSS jedes Detail sehen und in einen Gesamtzusammenhang einordnen
können, MUSS Verhalten/Gefühle immer verstehen können


Ich
MUSS an allem, was Teil meines Lebens ist, an allen wichtigen
Puzzleteilen meines Lebens, mich festhalten


Ich
MUSS anderen helfen, mich rechtfertigen, mich entschuldigen


Ich
MUSS zuverlässig sein.


Ich
MUSS meine Sehnsucht nach Nähe unterdrücken/auf sie verzichten,
weil kein Recht darauf


Ich
MUSS gute Noten schreiben, ich MUSS jede Prüfung bestehen
(PERFEKTIONISMUS)


Ich
MUSS dafür sorgen, dass es nahestehenden Menschen gut geht


Ich
MUSS alles richtig machen, alle Aufgaben bewältigen, jeden Konflikt
schlichten, für jedes Problem eine Lösung finden


Ich
MUSS alles alleine schaffen


Ich
MUSS mir unter allen Umständen selbst treu bleiben


Ich
MUSS alle Buchstaben sammeln (EMails, Sms, Briefe)


Ich
MUSS alle Erinnerungsstücke sammeln


Ich
MUSS zum Training, MUSS zum Spiel.



MUSS
zum Praktikum.



Ich
MUSS immer Leistung abrufen und so gut sein, wie es mir möglich ist.
Ich MUSS die Beste, Wichtigste etc. sein.




Was
meine Zwänge versuchen mir zu geben/zu bewirken


-Rituale
und Gewohnheiten ( täglich Nussbecher vom selben Eismann um der
selben Uhrzeit, täglich Kakao) geben ein Gefühl von Sicherheit



--->Sicherheitsbedürfnis
wird gestillt



-sie
versuchen negative Konsequenzen und Folgen zu vermeiden (z.B
schlechte Noten/Leistungen, Ablehnung&Abwertung anderer Menschen,
Enttäuschung anderer Menschen, Verlust von anderen wichtigen
Menschen, Schuldgefühle, Hass, Abwertung der eigenen Person)



-geben
einen Hauch Verlässlichkeit



-Kontrolle




-wirken
stabilisierend



-reduzieren
gewisse Ängste



noch bleibt,
muss
andere ein BLEIBEN quasi erzwingen,negative Folge: EINENGEN)


*Panikanfälle,
Zittern, Übelkeit, Hilflosigkeit



*das
Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren, das Gefühl der
Lähmung, Erstarrung



*Abweichung
vom Gewohnten/vom Wichtigen =Verlustgefühl



*je
nach Situation: das unrealstische Gefühl, die Welt könnte davon
untergehen, alles würde aus den Fugen geraten



*Entzugserscheinungen




Folgen



u.a

*zwanghafte
Gedanken verhindern das Leben im Augenblick


*
statt zu genießen damit beschäftigt, alle möglichen
Risikofaktoren, Gefahren usw. im Gehirn zu beleuchten und zu
widerlegen


*alles
und jeder wird hinterfragt, chronisches Misstrauen



*Schwierigkeiten
zu Entspannen, sich fallen zu lassen


*permanent
angespannt


*muss
mich andauernd rückversichern und alles kontrollieren (Ist die
Bescheinigung angekommen? Wird die Halbwaisenrente wirklich weiter
gezahlt? Hab ich mich verhört? Habe ich mir etwas eingebildet? Werde
ich wirklich gemocht? Ist die Freundschaft wirklich verlässlich? Ist
sie existent? Werde ich verlassen?)


*Probleme
mich auf körperliche Nähe und Beziehungen einzulassen, weil dann
MUSS ich diese und jene Erwartungen erfüllen, Bedürfnisse stillen
(was ich nicht kann laut Schemata)


*Aufgaben
lassen mir keine Ruhe und schweben solange in meinem Kopf herum, bis
sie erledigt sind


*andauernd
das Gefühl etwas vergessen zu haben, was gerade noch in meinem
Gehirn war und wichtig zu sein scheint, förmlich verzweifelte Suche
nach verlorenem Inhalt



*Entscheidungsschwierihgkeiten,
wenn "perfekte" Lösung fehlt, ständiges Hin und Her, weil
Handlung genauso viele Vorteile als auch Nachteile mit sich bringt




















SaMuMulle

unregistriert

2

Sonntag, 26. August 2012, 18:43

beispiele

Alltagsbeispiele,
wo meine Zwänge mich einschränken/belasten:


kann
keine Bücher mehr in der Bücherei ausleihen, weil ich mich dann
gezwungen sehe sie lesen zu MÜSSEN und wieder abgeben zu MÜSSEN. Druck und Zwang ist so groß, dass ich es vermeide etwas auszuleihen.
(PERMANENT im Kopf: Du MUSST es zurückgeben!)

Lässt
mich nicht los, bis ich die Bücher zurückgebracht habe, auch wenn
ich sie noch nicht gelesen haben sollte, Aufgabe des Zurückgebens
ist erledigt und ich fühle Erleichterung, Druck lässt nach





Kleidungsstück,
das ich täglich trug, verloren: ich habe getrauert, als würde es um
einen Menschen gehen, es fühlte sich grausam an und ich durchsuchte
mit Tränen in den Augen und völlig verzweifelt und hilflos Läden
und Internetshops, weil ich genau DIESELBE Jacke haben musste




Handy
wurde geklaut: wichtige Smsen weg, Erinnerungen, Notizen, Gedichte,
Inhaltsangaben und Stellen aus meinem Buch, Einstellungen, Termine im
Kalender, alles weg -->Boden unter den Füßen verloren, völlig
haltlos, verzweifelt, als würde jeden Augenblick die Welt
untergehen, nichts mehr Sinn machen

Verletzung
oder Krankheit hindert mich an der Teilnahe zum Training: fühle mich
völlig haltlos, verzweifelt, aufgelöst, weil ich MUSS zum Training,
schlechtes Gewissen, das Gefühl etwas lebensnotwendiges zu verpassen




oder
Training fällt aus, obwohl ich mich sooo darauf gefreut habe:
völliger Zusammenbruch, ganzer Tagesablauf zerstört (Dienstag
Abends MUSS ich doch zum Training, ich brauche dringend Ausgleich,
MUSS meine Ressource entfalten können, IMMER!

Yezrel

Fortgeschrittener

  • »Yezrel« ist weiblich

Beiträge: 219

Zwangssymptome: Zwangh. Persönlichkeit, Zwangh. Langsamkeit, Kontroll-/Zählzwang

Medikament / Dosis: keine

Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

Status: Betroffene/r

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3

Mittwoch, 23. Januar 2013, 00:08

Lieber SaMuMulle

Ich habe als zwanghafte Persönlichkeit dieselben Gefühle, wie Du sie beschrieben hast. Würde mich freuen, wenn Du aktiv hier schreibst und in meinen Thread reinschaust, damit wir uns austauschen können, wenn Du magst. Offenbar geht es bei Dir auch schon in Zwänge über (Kontrolle, Zwangsgedanken).
Lieben Gruß
Yezrel