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Hayastan

Anfänger

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Beiträge: 33

Zwangssymptome: Kontrollzwang, Zwangsgedanken (agressiver Inhalte)

Medikament / Dosis: Clomipramin 75 mg

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

Hobbys: Sport zum Abschalten, ehrenamtliche Arbeit

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Mittwoch, 29. Dezember 2010, 15:43

Könnte ich jemanden etwas angetan haben?

Hallo,

aus der Überschrift ist vielleicht schon erkenntlich unter welchen Zwängen ich leide. Wahrscheinlich gibt es solche (im Endeffekt sind es Kontrollzwänge) häufiger, aber ich fühle mich damit sehr alleine.
Seit Juni diesen Jahres denke ich (oder habe die Angst) Menschen etwas anzutun ohne mich im Nachhinein daran erinnern zu können. Dieser Gedanke tritt bei allen möglichen Situationen auf: Zum Beispiel, wenn ich an jemanden vorbei gehe, wenn ich mit dem Fahrrad oder Auto fahre, wenn ich eine Treppe hinauf gehe - eigentlich immer im Kontakt mit Menschen. Besonders schlimm ist es bei alten Menschen und kleinen Kindern. Teilweise mach ich um diese einen großen Bogen. Eigentlich total verrückt. Ich weiß das bis zu einem gewissen Maße auch, aber irgendwie doch nicht. Denn sonst wäre ich ja nicht so gefangen von diesen Gedanken. Anfangs habe ich viel kontrolliert, d.h. mich mehrmals umgedreht, Bilder von Situationen gemacht, die Polizei angerufen oder ihnen E-Mails geschrieben (das ging dann soweit, dass ich irgendwann eine Vorladung bekam und nun meine Fahrtüchtigkeit von der Führerscheinstelle überprüft wird). Nun kontrolliere ich bewusst nicht mehr so oft ( ich versuche es gar nicht mehr zu machen, aber das klappt noch nicht) und ich erlebe Höllenqualen. Tagein tagaus denke ich, dass ich jemanden etwas angetan oder sogar umgebracht habe. Ich fühle mich dann als ein schlechter Mensch, der eine Strafe verdient hat. Diese Gedanken zermattern mich, aber ich weiß, dass ich da durch muss. Auf der anderen Seite sind die Gedanken so stark, dass ich manchmal denke, dass sie doch wahr sein könnten. Wie erkennt man denn den Unterschied zwischen Gedanken und wirklich Erlebtem? Ist es überhaupt möglich jemanden am helllichten Tag zu verletzen oder gar umzubringen, ohne dass es jemand merkt? Bitte nicht falsch verstehen, ich würde so etwas natürlich nicht machen.
Es gibt nun zwei Strategien, die ich zur Bewältigung meiner Zwangsgedanken (und Handlungen) gelernt habe. Die erste habe ich von einer Psychologin aus einer Klinik, in der ich dieses Jahr gewesen bin. Sie lautet: Selbst wenn ich jemanden etwas angetan haben sollte, sagt das nichts über meine Wertigkeit als Mensch aus. Ich soll überdenken, was im schlimmsten Fall passieren würde, wenn man eine Befürchtungen eintreten... mein Leben geht weiter. Und ich darf nicht kontrollieren. Dadurch geb ich den Gedanken zu viel Macht.
Meine ambulante Psychologin sagt mir: Ich muss versuchen, die Gedanken als Zwangsgedanken zu deklarieren und ihnen keine weitere Beachtung schenken. Ich solle akzeptieren, dass die Gedanken mich quälen, aber ich sollte ganz klar einsehen, dass es Zwangsgedanken sind. Dieser Schritt fällt mir sehr schwer. Immer wieder erwische ich mich dabei, wie ich einen Zwangsgedanken nachverfolge und Situationen versuche gedanklich zu neutralisieren.
Nun wollte ich hier mal fragen, ob jemand solche Probleme kennt und was ihr über mögliche Lösungsansätze denkt. Was hat euch denn geholfen?
Ich war allzu moralisch, allzu vernünftig.. gewesen! .. Und so war es mir wieder einmal geschehen, daß ich mich selbst und das ganze Leben vergewaltigt hatte.
- Hermann Hesse, Kurgast

2

Mittwoch, 29. Dezember 2010, 23:15

Zitat

Wie erkennt man denn den Unterschied zwischen Gedanken und wirklich Erlebtem?


Gar nicht. Man muss sich an sich selber glauben und sich selber vertrauen.

Zitat

Ist es überhaupt möglich jemanden am helllichten Tag zu verletzen oder gar umzubringen, ohne dass es jemand merkt?


Völlig unwichtig. Zudem würde jede Antwort deinem Zwang unter die Arme greifen.

Zitat

Und ich darf nicht kontrollieren. Dadurch geb ich den Gedanken zu viel Macht.


Sehr richtig und der einzige Weg. Es gibt keinen anderen.

Zitat

Ich solle akzeptieren, dass die Gedanken mich quälen, aber ich sollte ganz klar einsehen, dass es Zwangsgedanken sind. Dieser Schritt fällt mir sehr schwer.


Dieser Schritt fiel und fällt mir immernoch ebenfalls schwer, aber in 98% aller Fälle klappt es gut. Man kann sagen, dass ich mich weitestgehen geheilt fühle.
Damit will ich nicht prahlen, sondern dir Mut machen.




1.)Du hast begriffen, was dich quält.

2.)Du hast die richtigen Waffen gegen den Zwang erhalten.

3.)Du kannst dir selber vertrauen, oder wie oft hast du in letzter Zeit Menschen verletzt, oder getötet?

Es liegt an dir den Zwang zu besiegen. Es gibt vieles (zurück)zu gewinnen.


:D
NoFear