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Kinderseele

unregistriert

1

Mittwoch, 6. Februar 2008, 11:41

Ablenkung von innen

Hi,

in der Klinik, in der ich war, gab es so ne Methode, die sich "Gedankenstopp" nannte. Wenn man wieder anfängt, sich in ein Kopfkarussel zu begeben und in ne Endlosspirale von Gedanken, sagt man einfach "Stopp" zu sich und stellt die Gedanken bewusst ein. Wenn das aber immer so einfach wäre...
Kennt ihr das, wenn ihr euch mit Gedanken ständig ablenken müsst? Wenn ich irgendwie vor bestimmten Gefühlen Angst habe, sie zuzulassen, lenke ich mich permanent mit Zwangsgedanken ab. Das finde ich superanstrengend, wenn mit mir zusätzlich noch jemand spricht... Das fühlt sich dann oft so an, als hätte ich zwei Gehirne... Das eine folgt dem Gespräch und das andere beschäftigt sich mit Zwangsgedanken... Wenn mein Gesprächspartner in dem Moment wüßte, was noch alles in meinem Kopf vorgeht!!!

LG :breit:

2

Mittwoch, 6. Februar 2008, 12:42

RE: Ablenkung von innen

Zitat

Original von Kinderseele

- Das fühlt sich dann oft so an, als hätte ich zwei Gehirne... Das eine folgt dem Gespräch und das andere beschäftigt sich mit Zwangsgedanken... Wenn mein Gesprächspartner in dem Moment wüßte, was noch alles in meinem Kopf vorgeht!!! -

hallo kinderseele

dieses gefühl kenne ich nur zu gut.
das gegenüber denkt mann führt ein angenehmes ruhiges gespräch,
dabei läuft ein anderer teil auf hochtour und mann steht total unter spannung.

das ist dann auch so das ich schnell sachen aus dem gespräch vergesse.

lämmli

unregistriert

3

Mittwoch, 6. Februar 2008, 12:45

RE: Ablenkung von innen

Hallo liebes Seelchen,

jo das kenne ich von mir auch sehr gut, ich habe das allerdings auch dann, wenn ich gar keine Zwänge habe. Ich kann auch Gesprächen folgen und gleichzeitig mit anderen Dingen beschäftigt sein, das ist bei mir eigentlich immer so...

Wenn man dabei dann in Zwängen steckt und nebenbei die Zwangsgedanken denkt, dann kann das total auspowernt sein... Ich würde dann am liebsten nur noch schlafen, weil ich so k. o. bin. Im Moment habe ich zum Glück keine Zwänge, aber ich weiß was Du meinst.

L.G.
Lämmli

Kinderseele

unregistriert

4

Mittwoch, 6. Februar 2008, 14:18

Ablenkung

Hallo liebes Lämmli,

danke für deine Antwort. Im Moment geht es dir, was die Zwänge betrifft, recht gut? Das freut mich zu hören!!!
Bei mir ist das eigentlich auch gerade so. Klar gibt es vereinzelt Situationen, in denen ich noch viel kontrollieren muss.
Ist schon heftig, auf wieviele Dinge man sich gleichzeitig konzentrieren kann. Finde das aber auch superanstrengend; ich glaube, deshalb bin ich auch oft immer so kaputt, obwohl ich eben oft nicht weiß, warum...

Lg,

Seelchen :lachen:

Kinderseele

unregistriert

5

Mittwoch, 6. Februar 2008, 14:35

RE: Ablenkung von innen

Hallo tpg,

genau so ist es. Ist ja auch verständlich, dass man dann gesagte Dinge vergisst, wenn da immer ein anderer Film im Hintergrund läuft...
Oft lasse ich dieses "Hintergrundkino" wohl auch laufen, weil mich manche Gespräche langweilen. ;-) Ich brauche wohl auch diese permanente Ablenkung... :tocktock:

6

Mittwoch, 6. Februar 2008, 14:39

RE: Ablenkung von innen

Hallo Kinderseele und die anderen,

dein Zitat "Wenn ich irgendwie vor bestimmten Gefühlen Angst habe, sie zuzulassen, lenke ich mich permanent mit Zwangsgedanken ab."

da liegt ja ein Hauptproblem der "Zwangserkrankung" überhaupt seelischer "Erkrankungen". Das Vermeiden des Zulassens von Gefühlen, dass man schon früh lernen musste, das Verdrängen der eigenen Gefühle und Wahrnehmungen, weil man sie als falsch irreal und unwichtig eingestuft hat, weil sie nicht interessierten. Der Zwang hat eine Funktion übernommen, die über viele Jahre ja auch klappte, das weitere Abwehren von Gefühlen, die beängstigend, bedrohlich, ja sogar lebensbedrohlich wirken konnten. Das innere Ich, die ureigensten Gefühl und Bedürfnisse. Ständig stellte man seine eigenen Wahrnehmungen in Frage, der Körper gab schon längst Notsignale von sich, die nicht geachtet werden eher integriert bzw. Anpassung wird geübt. Kein vertrauen zu sich selbst, kein Selbstwertgefühl, weil sie nie die Berechtigung zur Existenz hatten, weil sie zerstört und negiert wurden, und das schon sehr früh im Leben, daran haben wir und angepasst und gelernt, Gefühle zu verdrängen, weil man glaubt, die Wahrheit nicht aushalten und tragen zu können, weil die lebensbedrohlicher wirken könnte, als die jahrelange Anpassung an einen Zustand, dem Zwang in all seiner Form, der in das Leben integriert wurde, weil er ja geholfen hat, mögliche Unglücke und Gefahren zu beseitigen, die durch Gefühle, die hochkamen, scheinbar entstanden sind. Ängste deren Ursprung in der Vermeidung der Gefühle liegen, die Angst vor dem eigenen Gefühl.
Den eigenen Schmerz und die eigene Wahrheit zuzulassen, was eben schon sehr früh im Leben zerstört und negiert wurde, die innere Wut, die eine berechtigung hat, wenn sie an die gerichtet wird, die den Schmez verursacht hat, wenn man benennen darf, was passiert ist, wenn man nicht sinnlos andere Menschen als Ersatz benutzt und der Zwang ist auch ein Ersatz, ein Überlebenshelfer, der im Laufe der Zeit aber seine "Notwendigkeit" verloren hat, weil die Ängste, die uns heute als real erscheinen, mit den Menschen und Situationen von früher zu tun haben. Die eigentlich reale Situation hat sich geändert, aber die Angst ist geblieben und "erscheint" weiterhin als real, vor der man sich schützen muss, mit Hilfe des Zwanges, aber das ist natürlich ein Trugschluss. Es liegen so viele Mechanismen vor, die verhindern, sich seiner Wahrheit zu stellen, so viele Abwehrmechanismen, die wir gewohnt sind, zu benutzen, und der Zwang ist so einer, den wir jahrelang in unsere Leben integriert haben und gelernt haben, damit zu leben, weil wir glauben, dass es anders nicht mehr geht, vielleicht eine kurze Phase der "Zwangslosigkeit" haben mit Hilfe von Medkiamenten, die aber im Grunde auch nur verschleiern und den Zugang zur Gefühlswelt und damit zu den Ängsten auch nicht frei machen. Die eigenen Gefühle zuzulassen wird nicht ohne Schmerzen und damit meine ich seelische Schmerzen wahrscheinlich kaum möglich sein, weil man die Unfassbarkeit zuläßt, das Ausmaß dessen, was und früh im Leben wiederfahren ist und vielleicht fühlen wird, dass der Zwang seine Funktion aufgeben kann. Die Therapeuten helfen am seltensten, sondern nur die Menschen, die diesen Weg gegangen sind, die wissen, was in einem vorgeht, sich seiner Wahrheit zu stellen, die den Schmerz kennen und all die Selbstzweifel, die immer wieder auftreten, aber sie können begleiten und man fühlt sich verstanden und hat nicht immer das Gefühl, sich zu rechtfertigen, weil man sich sich erleben und leben darf, man darf sich selbst vertrauen, man darf sich selbst beschützen und man kann für sich Verantwortung übernehmen, weil man fühlt, weil man bei sich selbst sein darf und weil man keine Angst vor den eigenen Gefühlen haben muss und der eigenen Wahrheit.

Na ja, liebe Grüße

Anna

Kinderseele

unregistriert

7

Mittwoch, 6. Februar 2008, 17:04

RE: Ablenkung

Hallo ihr alle,

ein schöner Beitrag, der sagt, was angebracht ist. Da kann ich eigentlich nicht viel hinzufügen.
Ich denke, ich habe bei mir schon weitestgehend erkannt, welche Gefühle der Zwang überbrücken will, welche nicht nach oben kommen dürfen. Ich wurde recht affektlos erzogen, d.h., Wutausbrüche wurden mir nicht zugestanden als Kind. Also hab ich da schon immer recht viel hinuntergeschluckt. Das macht mich jetzt oft richtig wütend und ich bin froh, wenn ich heutzutage meine Wut äußern kann.
Mir hat die Therapie halt dahingehend geholfen, dass ich viel geredet habe und so nach und nach über Jahre zu dem wahren Problem gekommen bin.
Es ist ne harte Arbeit, keine Frage, geprägt von sehr vielen Rückschlägen. :-( Aber ich finde, eine Therapie lohnt sich allemal.
Aber auch der Austausch mit Leidensgenossen bringt sehr viel, denn dann merkt man, dass man nicht alöleine ist.
Es ist schön, dass es dieses Forum gibt!!!

Naja, liebe Grüße,

Kinderseele :dafuer:

8

Mittwoch, 6. Februar 2008, 17:56

RE: Ablenkung

Hallo Kinderseele,

ein Therapie lohnt sich nur dann und das hat weniger mit dem Berufsbild Therapeut an sich zu tun, wenn der Mensch den von mir beschriebenen Weg gegangen ist, deswegen auch allgemein die rede von einem Menschen, es kann auch ein Therapeut sein, aber leider kenne ich solche Therapeuten nicht, d. h. nicht, dass es sie nicht gibt. Zumindest weiß ich aber, dass die AUsbildung diese Aspekte oft beiseite wischt, relativiert etc. Ein mensch muss das unabhängig von seinem Stnad, Berufsbild etc. wollen. Seinen Weg zu finden, der ist oft schmerzhaft und manchmal fühlt man sich unsicherer als je zuvor, seine Wahrheit zu finden, seine Gefühle, sein Selbst. Sozusagen einen wissenden Begleiter, der einen nicht wieder die Realität ausredet, den Schmerz, den man schon früh erleiiten hat, das Erlebte relativiert, sondern selbst auch Partei bezieht, den Patientern beschützt in seinen Gefühlen, ihn bestätigt, ihn begleitet, ihm den Raum gibt, zu fühlen. Das kann nur jemand, der diesen Weg gegangen ist.

Liebe Grüße

Anna

Kinderseele

unregistriert

9

Dienstag, 12. Februar 2008, 17:59

Therapie

Hallo Anna,

man muss ja keine Therapie machen, wenn man andere Menschen um sich hat, die einem helfen können. Kontakte sind eh das A und O und besser einen "ungeschulten", aber erfahrenen Menschen an seiner Seite zu haben, als ganz allein zu sein. Ich finde solche Foren wie dieses hier auch echt gut für Leute, die nicht viele soziale Kontakte haben.
Ich habe eine gute Therapeutin an der Hand, aber das ist auch oft Glückssache!!!

LG,

Kinderseele :wand: